Mal kurz aufhören Red Dead Redemption 2 zu zocken und der virtuellen Bevölkerung vom ausgeplündert werden eine Pause geben, ihr unguten Seelen! Thematisch bewegen wir uns auch nicht allzu weit weg.

Ein strahlend weiß gekleideter Revolverheld und scheinbar auch begnadeter Musiker reitet durch die Prärie, auf seinem strahlend weißen Pferd. Dabei zeigt er sich sehr reflektiert, durchbricht die vierte Wand und dürstet nach einem Whiskey.

“The Ballad of Buster Scruggs” ist seit gestern auf Netflix verfügbar. Die Palette an humorvollen Western wurde in den letzten Jahren nicht unbedingt um Positivbeispiele erweitert. Auch Netflix selbst trägt Mitschuld daran, so pulverisierten sie ihre kostbaren Abonnentengelder in den lächerlich schlechten Ridiculous 6. Da ich die Schaffenskraft der Coen Brüder jedoch niemals anzweifeln würde und “The Ballad of Buster Scruggs” von genau jenen stammt, könnte das mit dem Western und dem Humor doch endlich mal was werden.

Schon in der Eröffnungsszene wird klar womit man es hier zu tun hat und zu tun haben wird. Die Handschrift der Coens ist unverkennbar. Ihr trockener Einsatz von Brutalität fühlt sich im Wilden Westen auch direkt wieder gut aufgehoben. So macht sich Buster Scruggs gleich zu Beginn auf in einen kleinen Saloon, oder eher in eine kleine Kantina, eine wirklich kleine Kantina, um an einem Whiskey zu nippen – um “den Wüstensand aus seiner Kehle zu spülen und seine Singstimme zu ölen” – und sich an einer Runde Poker zu bespaßen. Doch natürlich kommt alles ganz anders als geplant. Ein misslungener Wortwechsel und eine gnadenlose Schießerei beginnt. Das frohsame Erscheinungsbild Busters verknüpft mit einer humorlosen Skrupellosigkeit ergibt eine skurrile Figur, wie sie nur aus der Feder der Coen Brüder stammen kann. Sie veranschaulichen wieder einmal auf tragisch komische Art und Weise wie alltäglich die Themen Gewalt, Habsucht und Gesetzlosigkeit im Wilden Westen waren und vielleicht auch noch immer sind. Wenn auf das gewalttätige Morden innerhalb eines Saloons ohne weitere Unterbrechung das Gesinge und Gesaufe fortgesetzt wird. Es werden viele Western-Klischees aufgegriffen und parodiert, der Romantisierung des Westerns wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Denn früher war vielleicht doch nicht alles besser, auch wenn das manchmal gesagt wird.

 

 

Titelbild: ©Netflix

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