Die Erfüllung einer Vorhersehung in Game of Thrones

Der nachfolgende Text kann und wird sichtliche Spuren von Spoilern enthalten!

Es ist vollbracht, die lange Nacht beendet, der Winter überlebt. Die Prophezeiung der roten Hexe letztlich doch noch eingetroffen, wodurch auch sie nun endlich in Frieden ruhen und ihren Bund zur Unsterblichkeit lösen kann. Ihre Blicke Richtung Arya waren nicht grundlos dieser gewidmet. Endlich hatte sie ihren Azor Ahai entdeckt. Arya Stark, durch ihre Augen haben wir viel Leid miterlebt, aber auch die wenigen Funken der Hoffnung in Kenntnis genommen. Die Enthauptung Ned Starks, die rote Hochzeit, aber eben auch das “fuck the king” des Bluthundes oder Jaqen H’ghar den Faceless Man. Auf ihrer Reise wurden ihre Willenskraft und ihr Können oft auf die Probe gestellt, nicht nur innerhalb der Serie auch außerhalb machte sich Unmut in der Zuschauerschaft breit. Ja wofür sei denn ihr Skillset nun brauchbar, was genau kann sie eigentlich und generell der Sinn und die Glaubwürdigkeit Aryas wurden in Frage gestellt. Nun erhält sie die ultimative Erfüllung, ihre Assassinenausbildung sowie ihre meisterhafte Schleichfertigkeit führten sie zu diesem Punkt der Geschichte, denn nur ihr ist es möglich, auf solche Art und Weise an den Nachtkönig heranzutreten. Sie ist die einzige die das richtige Skillset besitzt, um den Nachtkönig zu überwältigen. Das herbeigesehnte 1on1 zwischen Jon und dem Nachtkönig war nichts als eine falsche Fährte, schon von Anfang an gebührte dieser Moment Arya. Die offene Konfrontation, die Jon mit dem Nachtkönig immer wieder sucht, scheint nicht zu funktionieren. Es ist zu plump, darauf lässt er sich nicht ein. Er ist zu unnahbar, nahezu unantastbar, umgeben von Gefolgsleuten und Leichen, die er stets zur Wiederauferstehung beschwören kann. Ein wahrer Totenbeschwörer. Deshalb musste es Arya sein, eine unscheinbare Assassinin, die aus dem “Nichts” erscheinen kann, schwer zu verorten ist, Statusmeldung: überall und nirgends. Diese Fähigkeit Aryas wurde durchgehend, nahezu per Holzhammer, ins Bewusstsein geschlagen. Das Foreshadowing lässt sich bis auf die allererste Folge der Serie zurückführen, wo sich ihre Familie, bei der Empfangnahme des Königs und dessen Gefolges, fragt wo sie denn schon wieder abgeblieben sei: ach sie tollt mal wieder nur herum, versteckt sich, und plötzlich als es notwendig war, wie aus dem Nichts doch noch pünktlich in Reih und Glied mit der Familie zusammensteht um König Baratheon in Empfang zu nehmen. Schon von hier an begann diese Charakterdefinition, natürlich hat sich ihr Skillset noch weiter verschärft, aber der Grundstein war schon hier gelegt. Ihr ganzes Leben war davon geprägt gejagt zu werden, auf der Flucht zu sein und sich verstecken zu müssen. Sie nutzte diese Bürde jedoch zu ihrem Vorteil, schärfte ihre Sinne, Fähigkeiten und ihren Verstand und wurde schließlich zu Batman, sorry. Beim langersehnten Wiedersehen mit Jon Snow in der Folge Winterfell, fiel dieser über Arya her und meinte wie sie es schaffe sich immer so unbemerkt anzuschleichen. Am selben Ort wo sie zwei Folgen später unbemerkt aus den Schatten springt, um eine Vorhersehung zu erfüllen, eine Prophezeiung: im Götterhain. Nun macht tatsächlich alles einen Sinn.

Prophezeiungen lassen sich nicht lenken oder bestimmen, sie werden im Nachhinein sichtbar. Man kann nicht im Wissen der Auserwählte zu sein als solcher handeln. Ein Auserwählter muss aus eigenem Antrieb handeln, nicht aus fremd gelenktem. Arya Stark war nie eine Person mit Vorherbestimmung, sie hatte niemanden, der ihr ihr Schicksal mitteilte, sie als Auserwählte predigte. Sie ist mit einem eigenen starken Willen aufgewachsen und einem Vater, der ihre Vorhaben und Interessen stets unterstützte ihr den Wunsch eines “Tanzlehrers” erfüllte, welcher ihr wiederum lehrte sich dem Gott des Todes, einem vorherbestimmten Schicksal, zu widersetzen. Später war sie auf sich allein gestellt und bahnte sich ihren eigenen Weg durch diese raue Welt. Wenn überhaupt ist es die Prophezeiung, die Vorhersehung der Selbstbestimmung, diese wurde erfüllt.

Also lieber He-Man, was ist die Moral der Geschicht? Wenn einem diese Episode etwas lehrt, dann dass Vorhersehungen oder Prophezeiungen Bullshit sind. The prince that was promised? Azor Ahai? Jemand der von der Blutlinie der Targaryens abstammt soll uns alle retten, vom Leid erlösen, vor dem verheerenden Unheil bewahren? Schmeißt das alles beiseite, denn die gottverdammte Arya Stark hat es gemacht. Hat die Erfüllung in die eigene Hand genommen. Entgegen der Erwartungen und Vorherbestimmungen. Das selbstbestimmte Handeln hat dem vorherbestimmten obsiegt. Was sagen wir dem Gott des Todes? Nicht heute.

 

 

Titelbild: ©HBO

 

6 Kommentare

      1. War es natürlich absolut wert! Ich finde Staffel 8 (wie der Mainstream) als Abschluss allerdings auch sehr gedrungen bzw. alles, dass nach der Schlacht mit den Weißen Wanderern folgt. Schon okay, aber etwas märchenhaft, wo der Rote Faden dann nicht mehr so wichtig ist. Insgesamt super!

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