Die meisten Netflix-Filme genießen den Ruf einfach nur „okay“ zu sein. So geht es mir bei den meisten Eigenproduktionen des Streaminganbieters auch. Lediglich Okja und The Ritual haben bisher einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, und das bedeutet auch nicht gleich, dass es Meisterwerke waren. Fühlt sich ein wenig nach „Quantity over Quality“ an, bei dem Output den Netflix liefert. Andererseits kann man den Leuten von Netflix den Experementiergedanken und den Willen möglichst viele Genres – vielleicht sogar Nischen – bedienen zu wollen, ja kaum ankreiden. Wirkliche Katastrophen habe ich bislang auch nicht sehen müssen. Als bekanntgegeben wurde, dass Netflix sich die deutschen Ausstrahlungsrechte zu Annihilation (zu deutsch: Auslöschung) gesichert hat, habe ich bereits gespannt auf diesen Release gewartet. Jedoch muss man hierbei auch erwähnen, dass Annihilation eben keine Eigenproduktion ist und die internationalen Ausstrahlungsrechte lediglich von Paramount Pictures an Netflix verkauft wurden. Ob das nun eine gute oder schlechte Entwicklung ist, ist nochmal eine andere Frage. Fakt ist, Alex Garland, der Regiesseur sowie Drehbuchautor des Films, hat mir bereits mit seinem Erstlingswerk Ex Machina sowie seinem Autoren-Beitrag zum Videospiel Enslaved: Odyssey to the West bewiesen, ein Könner innerhalb des Science-Fiction-Genres zu sein. Also: Vorfreude war da.

Es beginnt mit einem Leuchtturm, und endet mit einem. So war es schon in Bioshock. Ein Leuchtturm wird von einer Kuppel-ähnlichen Anomalie umgeben, welche sich immer weiter ausdehnt. Das Phänomen wird als „Schimmer“ bezeichnet. Innerhalb des Schimmers scheinen außerdem andere Naturgesetze zu herrschen. Nun befällt dieser Schimmer unseren gesegneten Planeten wie eine „Krankheit“ und nimmt alles in sich ein. Denn natürlich wurden schon viele Forschungs- und Militärtrupps dort hineingesandt, jedoch ohne großen Erfolg. Eine Großzahl kehrte nie zurück und der Rest starb an Organversagen oder Suizid. Nun kehrt auch Oscar Isaac in seiner Rolle als einziger Rückkehrer seines Trupps zurück zu seiner Frau gespielt von Natalie Portman und scheint nicht mehr derselbe zu sein. Scheinbar völlig verstört von den Ereignissen und auch körperlich nicht mehr auf dem Stand, wird er vorerst unter Verschleierung der Öffentlichkeit in den Einrichtungen des Forschungsinstituts untergebracht. Natalie Portman schließt sich derweil einem der Trupps an, welche den Schimmer betreten sollen.

Die prismenartige Darstellung des Schimmers erzeugt einen träumerischen Look und auch generell wirkt der Film durch seine schemenhafte und unwirkliche Optik stets wie ein Traum. Visuell also ein sehr starker Film. Über das Pacing kann man sich auch nicht beschweren, da kam zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Trotz des eigentlich eher ruhigem Grundton des Films. Jedoch war ich dem Film anfangs doch eher skeptisch gegenüber, da er vieles vorwegnimmt. Lena (Natalie Portman) sitzt zu Beginn des Films in einem Verhörraum und muss die vorgefallenen Ereignisse aus ihrer Sicht schildern. Man bekommt den Film sozusagen von ihr nacherzählt, was für mich ein dramaturgischer Downer ist. Da dadurch viele Spannungselemente verloren gehen, wie beispielsweise die Frage, ob Lena denn ihren Ausflug überlebe. Mit dem Ende kann man diese Entscheidung allerdings, zumindest aus kreativer Sicht, besser nachvollziehen. So konnte mich der Horror-Aspekt des Films auch nicht wirklich überzeugen. Es kam weniger Spannung durch Charaktere in Gefahr auf, da einem zu Beginn ja (fast) alles offenbart wird. Dieses Spannungsmalus konnte durch die mysteriöse Stimmung aber ausgeglichen werden. Auch die Musik – wenn sie denn mal da war – passte zur Tonalität des Films und untermalte bestens die teils psychedelischen Bilder.

Der Film ist für mich definitiv nicht das Meisterwerk für das ihn viele halten, aber ein starker Sci-Fi-Streifen mit einer immersiven Welt und ein paar zum Ende grandiosen aufgeworfenen Fragestellungen, wie: Ist sie immer noch die Person von der sie glaubt, sie zu sein? Was, wenn nicht? Wäre das schlecht?

 

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