3 Jahre des Leidens in The Witcher 3

Witcher ist eine großartige Spielereihe. The Witcher 3 ist nicht nur ein großartiger Ableger dieser Spielereihe, sondern gilt auch noch als eine der bislang besten und ausgereiftesten Rollenspielerfahrungen, welche die Videospieleindustrie hervorgebracht hat. Und doch habe ich es bis heute nicht durchgespielt. Verachtenswert, ja ich weiß. Obwohl ich damals Vorbesteller war, obwohl ich eine großartige Zeit mit dem Spiel hatte, kam irgendwann der Abbruch. Wie konnte es nur soweit kommen.

Eine lange Zeit ist vergangen seitdem es passiert ist. Ich war zu beschämt vor dem, von dem ich nun weiß, fähig zu sein. Ein Ereignis von dem ich dachte niemals sprechen zu können. Es könnte wie ein purer Akt der Dummheit und Ignoranz erscheinen, aber glaubt mir, ich wusste es einfach nicht besser.

Mit großer Vorfreude habe ich das Spiel vorbestellt. Ich wollte einer der Ersten sein, die in den Genuss dieser Spielwelt und der Geschichten des Witchers kommen. Und so kam es auch, ich durchreiste die Ländereien des No Man’s Lands mit meinem treuen Reisebegleiter Plötze, schoss einen Greifen vom Himmel, streckte unzählige fresswütige Ghule nieder und spielte Gwent in ranzigen Tavernen. Doch dann kam es zu einem Punkt im Spiel, an dem ich gebrochen wurde. So sehr gebrochen, dass ich bis heute nicht mehr den Mut fassen konnte, das Spiel anzurühren. 3 Jahre ist es her.

Alles begann mit dem König des nilfgaardischen Imperiums, welcher meine Dienste als Witcher, für einen diskreten Sucheinsatz nach seiner verlorengegangenen Tochter, in Anspruch nahm. Seine Tochter ist Ciri, welche übrigens eine Zeit lang als Ziehtochter Geralts aufwuchs und eine frohmütige Kindheit sowie eine Kampfausbildung im Hexer-Refugium Kaer Morhen genoss. Anyway, meine Ermittlungen im Fall des Königs führten mich nach Crow’s Perch, ein kleines verbarrikadiertes Dorf und inmitten, die Festung eines Barons, welcher nützliche Informationen für uns zu besitzen scheint. Im Gespräch mit diesem bietet er uns ein Tauschgeschäft an. Wir müssen nun seine vermisste Frau und Kind aufspüren. Allerdings erfahren wir schnell, dass es sich um ein bewusstes Verschwinden der Familie handelt. Denn der Baron offenbart sich als Trinker und nicht allzu ausgeglichener, sondern eher handgreiflich werdender Familienvater. Dies resultierte in eine Fehlgeburt seiner schwangeren Frau, welche lieblos im Hinterhof vergraben wurde, also die Fehlgeburt. Seine Familie trat derweil die Flucht an. Nun hat ein solches Vorgehen in der Welt von Witcher natürlich gewisse Konsequenzen. Wir als Witcher kennen uns natürlich aus und klären den Baron über sein unbedachtes Handeln auf und gehen auf direktem Wege zum Grab des Fehlgeborenen. Was wir auffinden ist ein leeres Grab.  Die ruhelose Seele hat Macht über den zu Grabe getragenen Körper ergriffen und treibt sich nun vom Zorn getrieben irgendwo herum. Es gilt also nun den leidenden Geist des Fehlgeborenen von seinen Qualen zu befreien. Dies kann durch Tötung oder ein durchzuführendes Ritual erreicht werden, was ich irgendwie verrafft hatte. Ich hatte mich auf die Tötungsschiene festgefahren und die alternative Option gar nicht richtig wahrgenommen. Jedenfalls ist dies der Punkt an dem es passierte. Das Scheitern. Auf spielerischer, aber auch menschlicher Ebene. Ich konnte es nicht, meine Schläge schienen kaum eine Wirkung auszuüben, auch die Feuerzauber nicht. Wo sollte die Schwachstelle dieser Bestie liegen? Die Nahrungsvorräte gingen zur Neige, und zu all dem Übel beschwört die Bestie auch noch ein paar seiner Freunde aus dem Jenseits. Toll, tollwütige Bestie UND nervtötende Gespenster. Das war too much für meine zarte casualisierte Seele. Verweichlicht von den anspruchslosen Schwierigkeitsgraden aus Assassins Creeds, Uncharteds, Pokemons, etc., wollte ich zu dem Zeitpunkt doch nur das volle Story-Erlebnis genießen. Der Reiz an einem hohen Schwierigkeitsgrad war nicht vorhanden und nur ein Störfaktor, welcher mich daran hinderte mehr von der Geschichte in Erfahrung zu bringen. Ich konnte die vielen Tode, die Ladebildschirme und generell das Wiederholen nicht ertragen. Ich musste aufhören, zumindest pausieren. Konsole aus. Spiel beiseite gelegt. 3 Jahre später…

Eine unvollendete Aufgabe. Eine niemals abgeschlossene Quest. Dieses unwohle Gefühl hat mich durchtrieben. Ich musste die Xbox One mal wieder rauskramen. Darauf hatte ich mir damals das preisgekrönte Witcher 3 geholt und niemals beendet. Konsole an, Spiel war noch installiert, Savefile auch noch da, wow 3 Jahre ist das schon her. Laden. Noch während des Ladens kochten die Erinnerungen wieder hoch. Ich hatte den gequälten Geist der ungeliebten Fehlgeburt unbefreit zurückgelassen. Wie konnte ich nur, eine Abscheu vor mir selbst machte sich breit. Kurz vor dem Kampf hat sich meine Spielwelt aufgebaut, genau dort wo ich vor 3 Jahren kläglich scheiternd aufgab. Der Kampf begann. Das jahrelange Leiden der Bestie sollte endlich ein Ende nehmen, aber auch meines. Ein paar schwere Hiebe und elegante Ausweichrollen später war es vorbei. Die Bestie war erlegt.

Dann folgte nur noch Leere. Das war es. 3 Jahre lang hatte ich mich vor diesem Kampf gedrückt. Eine Lächerlichkeit war das. Was war passiert? Wie konnte es damals nur so weit kommen? Wurde dieser Kampf gepatcht? War ich einfach nur ein Narr? Nun denn, der wütende Geist war befreit. Meine Last aufgelöst. So aber auch der Willen weiterzuspielen.

Ich spiel’ jetzt Dark Souls…

 

 

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