Teddy Perkins und der Hackfleisch hassende Zerhacker

 

Teddy Perkins aka Donald Glover aka Childish Gambino erschien zur gestrigen Emmy-Verleihung, als Teddy Perkins. Warum das so besonders ist und was es damit auf sich hat? Schaut euch Folge 6 aus Staffel 2, oder besser, schaut die grandiose Serie, aus der diese neue instant-ikonische Horrorfigur entstammt, in ihrer Gesamtheit an: Atlanta.

Immer noch hier? Warum? Schaut euch die Serie an, Atlanta ist gut, wirklich. Wie auch immer, also was hat es nun mit der Besonderheit Teddy Perkins’ auf sich. Vorerst eine kurze Abhandlung darüber, was guten Horror auszeichnet.

Woran fehlt es den meisten Horrorfilmen? An Glaubhaftigkeit, an glaubhaften Figuren sowie einer glaubhaften Geschichte, deshalb driften viele vermeintliche Horrorfilme wohl oft Richtung Trash und Lachhaftigkeit ab. So richtigen Horror bekommt man seltenst noch zu spüren. Verknüpft man nun jedoch nahbare Charaktere, welche sich durch ihre Authentizität auszeichnen und die Sympathien der Zuschauer bereits innerhalb einer hervorragenden Debüt Serienstaffel sichern konnten, mit einem klassischen Horror-Setting in Form eines unheimlichen Anwesens, könnte eine – für den Serienkosmos in dem sie spielt – durchaus unkonventionelle Serienepisode mit intensivem Horrorgeschmack entstehen. Obwohl die Folge, nimmt man sie ungebunden von der Serie wahr, eine ziemlich konventionelle Horrorgeschichte erzählt.

Atlanta hat viele der typischen Horrorfilm Probleme übersprungen indem es bereits etablierte Figuren einsetzen kann, an die man sich bereits gebunden hat sowie eine glaubwürdige Welt geschaffen hat. Selbst die Kurzschlusshandlung von Darius einfach mal Online bei irgendeinem zwielichtigen Händler ein Klavier zur kostenlosen Selbstabholung zu ordern macht Sinn, weil es perfekt zum Charakter passt, welcher in den Folgen zuvor als stets offen gutherziger und philosophischer Charakter, welcher zu teils willkürlichen Handlungen neigt, gezeichnet wurde. All dies, die Charakterzeichnung und das World Building, mit dem sich Horrorfilme auseinandersetzen müssen, damit sie so etwas wie eine Nachvollziehbarkeit erreichen, endet letztlich oft in einem schwachsinnigen Klischee-Fest. In Atlantas “Teddy Perkins” kann all dies getrost außer Acht gelassen werden, denn es ist schon vorhanden. Der Fokus kann komplett auf die dichte Atmosphäre sowie der Figur des Teddys gesetzt werden. Alles andere ist bereits etabliert.

Den letzten Rest zur Komplettierung einer schaurig tollen Episode trägt die großartige Arbeit hinter der Kamera von Hiro Murai bei. Der ruhige und doch genügend ereignisreiche Erzählstil sowie der verstörende Teddy Perkins selbst, lösen ein zum Zuschauen wohliges Unbehagen aus. Die Michael Jackson-eske Optik, die begrenzte Mimikfähigkeit, sowie eine gewisse Mystik um die Figur selbst, tragen stark zur Ikonisierung des Teddy Perkins bei. Auf ähnliche Weise gelang es einer anderen – ursprünglich aus einer komödiantischen Serie entstammenden – Figur zur Ikonisierung: dem Hackfleisch hassenden Zerhacker.

Spongebob Schwammkopf nämlich, verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie Atlanta, den Zuschauer zum Schmunzeln, vielleicht sogar zum Nachdenken, anzuregen. Doch in einer Folge wurde diese Erwartungshaltung an die Serie gebrochen und mein kindliches Gemüt zum Erschaudern bewegt. Der Terror mit dem sich der zerfleischte Hackenhasser ankündigte, hatte meine unschuldige Seele zermürbt. Die Heiterkeit und Lebensfreude für die Spongebob stand, war verflogen.

Es ist eine ähnliche Prämisse wie bei Teddy Perkins. Wo jedoch bei Spongebob die vermeintliche Bedrohung zunächst aus einer Erzählung Thaddäus Tentakels besteht, und sich daraufhin durch einige entsetzliche Ereignisse bewahrheitet, lässt Atlanta den Zuschauer mit einer mulmigen Sicherheit ins offene Feuer rennen. Man weiß nicht, was es mit Teddy Perkins auf sich hat, könnte doch ein netter Kerl sein. Stellt sich heraus, er ist es nicht. Beim verhackstückelhaften Fleischer stellt sich heraus, er ist ein netter Kerl. Es ist die Ungewissheit des Ausgangs den diese beiden Episoden gemein haben.

Teddy Perkins ist im Prinzip der invertierte Hackfleisch hassende Zerhacker.

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