God of War, ein fantastisches Spiel und Gewinner unzähliger Game of the Year Awards und weiterer Auszeichnungen, und das trotz starker Konkurrenz durch Red Dead Redemption 2. Wie war dies möglich? Etwa aufgrund, der großartigen Inszenierung der eigentlich so banalen Handlung, des fordernden und wuchtigen Gameplays, der grafischen Imposanz? Kratos durchzieht im neuesten Ableger einen Sinneswandel, wird dennoch unweigerlich von seiner Vergangenheit eingeholt. Aber auch den anderen Figuren wird hier kein Unrecht getan, Atreus durchläuft hier gleich mehrere Pfade der Persönlichkeitsentfaltung und ist am Ende wahrscheinlich eine gereiftere Person als so manch andere alteingesessene Gottheit. Kratos verbirgt seine Vergangenheit in der Furcht, Atreus ein schlechtes Vorbild zu sein, seine Schwächen und Fehler hat er eingesehen, doch ist Atreus bereit zu erfahren wessen Sohn er eigentlich ist? Die Charakterzeichnung ist wunderbar, das Worldbuilding vorzüglich und die Optik verzaubernd. Doch all dies trifft auch auf Red Dead zu. Woran liegt es also, worin liegt der Unterschied, der Gamechanger, das Zünglein an der Waage, welches bei all den Preisverleihungen zu Gunsten God of Wars entschied? Die Antwort liefert die personifizierte Allwissenheit, ein abgetrennter Kopf, der auf den Namen Mimir hört.

mimirhinterkopf

Mimir ist eigentlich der nordische Gott des Wissens und der Weisheit. In God of War allerdings wird ihm kurzerhand der Schädel abgeschlagen, dieser von einer Hexe wiederauferweckt und an Kratos‘ Hüftgürtel geschnallt. Ja, in God of War verkommt er zu einem Mode Accessoire. Sein umfängliches Wissen bleibt natürlich trotzdem nicht verkannt, er dient Kratos und Atreus als allumfassender Wissensalmanach. Durch die Ergänzung Mimirs entsteht ein fabelhaftes Triumvirat aus dem wortkargen Grummelbart Kratos, der neugierigen Frohnatur Atreus und eben jenem abgetrennten Kopf Mimir. Welcher seinen Senf gerne auch ungefragt von sich gibt und nicht nur als dröger Wissenslieferant sondern auch stets als angenehmer Comic Relief dient. So bekommt man während seiner Reise zwar oft unaufgefordert, aber auf auflockernde Weise eine umfangreiche Hintergrund Lore eingetrichtert.

Einst noch als treuer Ergebener Odins, als dessen beratende Instanz tätig, verspielte er sich dessen Vertrauen und wurde von Odin selbst – auf unbestimmte Zeit – an den Weltenbaum gebunden. Was hat er Odin nur angetan, was eine solche Bestrafung rechtfertigen würde? Auf ewig mit dem Weltenbaum verschmolzen, um unendliche Qualen zu erleiden und keine Gesellschaft außer sich selbst und die eigenen Gedanken zu haben. Ihm wird von Odin eine minimale Lebenserhaltung ermöglicht, nur um diesem auch weiterhin noch als beratende Figur zu dienen und dass Mimir die Erinnerung an die Pein seiner Situation niemals entfallen möge. Womit hat Mimir ein solches Schicksal nur verdient?

Schicksal ist hier das richtige Stichwort. Denn, hätte Odin ihm nicht diese moralisch fragwürdige Bestrafung, für eine Götterinstanz seines Grades, erteilt, wären Kratos und Atreus niemals auf ihn gestoßen. Wobei, wären sie wahrscheinlich schon. Allerdings hätten sie ihm dann wahrscheinlich nicht den Kopf abschlagen und diesen dann mit sich herschleppen müssen. So haben wir nun doch einen grandiosen Sidekick in God of War. Danke Odin! Auf in den Swagcheck.

Pros:

  • Allwissenheit
  • ein von Weisheit zeugender Bart
  • Bekenner außergewöhnlichen Körperschmucks:
    • Diamantbesetzte Augen -> Next Level Kontaktlinsen
    • Mystische Kopf Inschriften -> Next Level Tattooing
    • Kryptisch verzierte Hörner -> Next Level Piercing
  • Erleichterter Transport durch Hörner als Befestigungsmöglichkeit
  • ein abgetrennter magisch konservierter Kopf zu sein könnte als starkes USP gelten

Cons:

  • eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten
  • Neigung dazu, sich aus der Verantwortung zu ziehen
  • fehlender Ausschalter
  • zu einem Accessoire verkommen

 

Mimir hievt bereits bestehende Trends auf ein neues Level und offenbart sich als erheiternde Persönlichkeit mit allumfassendem Wissen. Er hat alles abgelegt, seine Kleidung, seine körperliche Hülle exklusive Kopf, seine Vergangenheit als Ergebener Odins, jedes kleinste Accessoire; und wurde selbst zu einem, einem Accessoire. Auch wenn der Move, so ziemlich jegliche Last von sich abzuwerfen, erstmal respektabel erscheint, muss man auch die Frage stellen dürfen, was ihn überhaupt erst dazu getrieben hat sich von allem zu entledigen.

Bringt ein loses Mundwerk in Verbundenheit mit Allwissenheit eventuell auch eine gewisse Gefahr mit sich? Wohin brachte ihn all sein Wissen? Odin verbannte ihn dazu auf ewig am Weltenbaum festzukleben. Odin konnte nicht auf ihn verzichten, ihn gleichzeitig aber auch nicht auf Dauer ertragen. Mimir wird uns als sympathischer Geschichtenerzähler präsentiert, aber von Odins Perspektive bekommen wir nichts zu Gesicht. Keine Frage, Odins Bestrafung mag von Übertreibung geprägt sein, aber auch ein Mimir könnte nicht der sein, für den wir ihn halten. Letztlich ist er doch nicht mehr als ein trauriger Schlüsselanhänger, ein ridikulöses Gürtelgimmick, welches ohne Kratos und Atreus der Fäulnis und den darauffolgend anstürmenden Aasfressern zu Opfer fallen würde. Er hat sich von allem entledigt, vielleicht auch von seinem Swagger. Immerhin bleibt ihm noch sein immenses Wissen, ja und seine schillernden Augen. 3 von 10.

 

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