Sich einen Namen zu machen – einen eigenen Namen – kann sich schwieriger gestalten, als es sich zunächst anhört. Ein Name ist nichts worüber man eine Handlungsgewalt besitzt, man erhält ihn, übernimmt ihn. Ein Kredo, welches die Zugehörigkeit zu einer Familie symbolisiert, welches eine Person mit anderen Personen desselben Namens in Verbindung setzt. Auch wenn sich diese Personen kaum oder nie begegnet sind, nicht voneinander wissen und auch sonst nichts gemein haben, außer den Namen. Taten, Errungenschaften, Unzulänglichkeiten, werden in Verbindung gebracht. Adonis Johnson, der uneheliche Sohn des legendären Box-Champions Apollo Creed, will sich einen Namen machen. Aus eigener Kraft.

Creed erzählt die Anfänge des aufstrebenden Boxers Adonis Johnson. Im Verlauf des Films durchläuft er mehrere Stationen, vom Jugendheim zur Adoption durch die Witwe Creeds, vom Büroangestellten zum wiedererwachenden Traum der Boxkarriere. Es ist ein Sportlerdrama, natürlich schmeißt er seinen Job, sucht den ehemaligen Freund und Rivalen seines Vaters Apollo Creed auf, und lässt sich von diesem trainieren. Von Rocky. Einen offenen Umgang mit seinem Namen pflegt er dennoch nicht. Er will nicht bevorzugt, bevormundet oder gar bevorurteilt werden. In einem späteren Moment sieht er ein, dass seine „Herkunft“ keine Schwäche ist und niemals sein sollte. Er beginnt seinen Namen mit Stolz zu tragen, sieht ein, dass es etwas ist, was ihn definiert, aber nicht letztlich ausmacht. Dafür ist man immer noch selbst verantwortlich. Die eigenen Taten. So, und da nun alle Ungereimtheiten, Selbstfindungsphasen und was weiß ich nicht alles abgeschlossen sind, kann Creed auch mit vollem Elan seine finale Trainingseinheit, die Rocky-Franchise prägende Trainingsmontage, starten. Filmszenen, die den Swag aufdrehen.

In Rocky sowie Creed wird nicht nur das Boxen sondern auch die Stadt Philadelphia zelebriert. Dies wird vielleicht etwas subtiler untergebracht, aber es kann dennoch auffallen. So bekommt man eine üppige Anzahl von realen Schauplätzen der Stadt zu sehen, und keine künstlichen Aufbauten oder gar Greenscreen Hintergründe. Während Rocky im gleichnamigen Original noch die legendären Treppenstufen zum Philadelphia Museum of Art besteigt, welches zu wohl einer der ikonischsten Filmszenen wurde, treibt es den hoodieüberzogenen Creed auf seiner Laufroute durch die Hood Philadelphias. Weniger subtil, aber dennoch ohne weitere Erläuterungen, wird die Bikerszene Philadelphias hier in Szene gebracht. So beginnen die von jugendlichem Elan getriebenen Motoristen Creed bei seinem Finallauf zu begleiten.

Doch dieser finalen Laufeinheit gingen so einige erzählerische Komponenten voraus. Zu diesem Zeitpunkt hat er all seine inneren Dämonen beseitigt, kann befreit ins Training gehen. Es ist der eigentliche Höhepunkt des Films. Eine Reminiszenz an die alten Rocky Tage und gleichzeitig der Beginn einer neuen Ära. Hier beginnt Adonis Johnson, Creed zu sein. Hier beginnt Creed.

Die Trainingsmontage vermischt gekonnt gewohnte Trainingssequenzen, emotionale Momente und Ansprachen mit ikonisch würdigen Laufeinheiten und einem grandiosen Soundtrack, welcher wiederum gekonnt eine orchestrale Imposanz mit Hip Hop Elementen mixt. Sodass man leicht von einem ungeahnten Motivationsschub überflügelt wird. Und alleine dafür, verdient diese Szene schon den offiziellen Swagaward für außerordentliche Leistungen in den Bereichen Inspiration und Motivation.

Dennoch konnte ich mir eine gesunde Portion Fremdscham nicht verkneifen, oder war es eher eine Art faszinierende Hingebung? Man weiß es nicht, herausragende Szene ohne Frage, aber dieses Zelebrieren von Wheelies ohne Helm, verstand ich nicht. Soll ich das für verantwortungslos halten oder für einen Fall von „die wissen was sie tun“, trotz dessen hatte mich unweigerlich eine Gänsehaut übermannt. 9 von 10.

 

 

Titelbild: ©Warner Bros. Pictures

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