Stranger Things 3 mit nächtlichem Fang- und Versteckspiel in der Starcourt Mall

Das Einkaufszentrum. Ein enormes Gebilde bestückt mit einem enormen Ausmaß an Verkaufsattraktionen, und betreten von einem enormen Ausmaß an konsumbereiter Menschenmasse. Ein Großteil dieser Menschenmasse besteht aus sogenannten mallrats. Als mallrats bezeichnet man Personen die gerne und viel Zeit in malls, also Einkaufszentren, verbringen. Diese Personen genießen es sich freiwillig und ausgiebig diesem besonderen Vibe aussetzen, welchen diese malls versprühen. Diese Faszination ist leicht nachzuvollziehen: überall Optionen sich mit Konsum zu beglücken, von allen Seiten schallt Musik oder andere frohsame Geräusche, man atmet eine andere Luft, die klimatisierte, zusammenbringende Luft des ungezügelten und glückbringenden Konsums. In Stranger Things 3 werden die stark gefeierten Figuren zu solchen mallrats.

Schon früh beginnt die Etablierung des neuen, zentralen Mittelpunkts vieler Handlungsstränge: Starcourt Mall. Dieser Ort scheint Glückseligkeit nur so zu versprühen. Hotdogs, Eis, Klamotten, Filmvorführungen und diese Wackelautomaten, auf denen Eltern ihre Kinder absetzen, während sie ihre Erledigungen tätigen. Der Glückseligkeit und Konsumbereitschaft scheint hier also nichts im Wege zu stehen.

Zugleich werden wir aber auch mit den Folgen konfrontiert, die das Erscheinen der Starcourt Mall mit sich brachte. Die Innenstadt und eigentliche Einkaufsmeile des kleinen und beschaulichen Ortes Hawkins ist am veröden, wirkt wie verstaubt und leergeräumt. Das lebendige Treiben hat sich verlagert, auf diesen kleinen aber dichten Ballungsraum des Einkaufszentrums. So kann die Starcourt Mall vom ungezügelten Treiben innerhalb des eigenen Gebildes profitieren, während die kleinen und vereinzelten Läden mit schmerzender Miene ihrer Kundschaft hinterhertrauern. Was können diese den Vorzügen der Mall schon entgegenhalten? Bei all den Vorzügen, die die Mall zu bieten hat, hieße die Serie aber nicht Stranger Things, wenn sie mit dieser Mall nicht irgendetwas Suspektes, gar Stranges, in Verbindung bringen würde, sie uns nicht einen Blick hinter bzw. unter die Fassade dieser Glückseligkeit gewähren würde.

Natürlich ist es so, dass unter der Starcourt Mall weitere fragwürdige Experimente stattfinden. Denn weit tief unterhalb der Mall befindet sich eine sowjetisch-kommunistische Militär-/Versuchseinrichtung, welche in direkter Verbindung mit jener Mall steht und ein Anliegen daran hat, das Tor zum Upside Down wieder zu öffnen, welches El in der letzten Staffel so mühsam geschlossen hat. Zu Beginn werden die Vorzüge und die Begeisterung an der Mall noch zelebriert, bis bald dann die Realisation einsetzt, dass dort Dinge im Hintergrund ablaufen, die es für die Figuren gilt, zu verstehen, zu ergründen und dann zu stoppen. Dinge, die abermals für die Bewohner Hawkins’ eine bedrohliche und verschlingende Macht zu entfesseln versuchen.

Das mag sehr beklemmend klingen, doch so wie wir Stranger Things kennen und lieben spielt es auch weiterhin mit sämtlichen Fantasien, Faszinationen und Verweisen, die an eine Kindheit zu einer Zeit erinnern lassen, welche man nicht mal selbst erlebt haben muss, um am süßen Nektar der Nostalgie kosten zu können. Natürlich ist das alles verschönigt und verklärt, ändert aber nichts an der Nachricht dieser Serie: durchweg Positivität vermitteln zu wollen. Und da diese Serie nur allzu oft damit spielt, kindliche Gedanken, Vorstellungen, Träume- und Alpträume, visualisieren zu wollen, tut sie es auch in Bezug mit der Mall.

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Nachts, ungezügelt durch ein verlassenes Einkaufszentrum wandern und die Zeit des Lebens erleben, mit all den Adrenalinspiegel antreibenden Nebeneffekten, wie z.B. Nachtwärter, die einem auf den Fersen sind, oder klassischer: Dämonen aus einer anderen Dimension. Bei alldem dann auch noch die Welt vor invasiven Dämonenbeschwörern retten. Das macht sich das MVP Award-verdächtige Gespann aus Dustin und Steve zur Aufgabe, welches mit Robin nun übrigens zum Triumvirat kulminiert. Triumvirat + schnöselige 10-jährige, selbstverständlich ist Erica nicht außer Acht zu lassen. Während der fantastischen Abenteuer des Triumvirat+ offenbaren sich die korrumpierten Machenschaften unterhalb der Mall. Das Tor zur “Hölle” soll geöffnet werden. Und ganz nebenbei stampft der Mind Flayer, der Oberdämon schlechthin, auf die Mall zu, um noch mehr Menschenmasse in sich zu verschlingen, um noch mächtiger und größer zu werden. Die konsumbereite Masse, die das Untier zu noch mehr Macht verhilft. Ja, nun, also, jetzt heißt es: versteck dich, oder ich fange dich.

 

 

 

Bilder: ©Netflix

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