Balsam für die Seele nach dem Staffelfinale von Arcane – Legends of Runeterra

Das Staffelfinale einer guten Serie kann dazu verlocken in eine Mini-Depression zu verfallen. Der Entzug von etwas, das viel Freude, viel emotionale Bindung, ausgelöst hat, und das plötzliche Fehlen von diesem Etwas, entlässt uns in diese typische Leere. Dieses Nichts wartet nun darauf wieder aufgefüllt zu werden, doch vorerst muss sich auf kalten Entzug eingestellt werden. Arcane verlässt uns mit einem Knall, Jinx schließt die erste Staffel mit ihrer „Super-Mega-Todesrakete“ ab, doch die Auswirkungen dieser Explosion werden wir erst im Nachtrag erfahren. Wir sind wie die Mitglieder:innen des piltoveranischen Rats, für welche die Zeit nun kurz vor Einschlag der Rakete stehen bleibt. Wir verbleiben im Ungewissen. Die einzigen Gewissheiten, die wir erhalten, sind die beunruhigenden Barrieren zwischen Piltover und Zaun, Vi und Jinx, die sich verschärfenden Konflikte. Die Serie bot uns bewusst nicht den beruhigenden Abschluss, ein Auflösen der Barrieren, eine Wiedervereinigung. Wir wurden mittels perversester Methodik in die Abhängigkeit verführt. Warum musste es nur so gut sein. Glücklicherweise haben die Verantwortlichen bei Rito bereits die Produktion einer Fortsetzung angekündigt. Somit können wir uns immerhin mit dem Gedanken beruhigen, dass in zwar vermutlich noch ferner Zukunft, die Möglichkeit einer Reunion besteht, die Hoffnung an eine Reunion zwischen Zuschauer:in und dieser Serie, dieser mühsam aufgebauten Welt mit lauter mühsam ausgearbeiteten Charakteren. Sowie auch auf die Möglichkeit an eine vernünftige Reunion zweier Charakere gehofft wird.

Wer diesem Gefühl der nicht enden wollenden Sehnsucht nach Mehr, mehr Arcane, mehr von diesen Figuren und der Welt, nicht entkommen kann, dem könnte das Spiel Legends of Runeterra ein wenig Balsam für die Seele bieten. Vielleicht sogar so etwas, wie einen beruhigenden Abschluss. Oder zumindest einen Beruhigenderen, als den zwar kunstvollen aber auch emotional zermürbenden Abschluss der Serie. Legends of Runeterra ist eigentlich „nur“ ein Kartenspiel, jedoch ein sehr ausgeklügeltes, welches mit der Welt aus League of Legends, „Runeterra“, arbeitet. Unzählige Lore-erweiternde Karten, mit den bekannten Champions und Spells, die identitätstreu in die Kartenspielmechanik des Spiels eingebaut werden. Und seit dem neuesten Update enthält Legends of Runeterra nun auch einen Kampagnenmodus, in welchem uns etwas komplexere Herausforderungen gegen die KI sowie kleine erzählerische Happen mittels Comicseiten-Narration, zum Verkosten dargeboten werden. Der Umfang dieses Modus lässt dabei noch Luft nach oben und könnte in Zukunft noch mit weiteren neuen Verkostungen ködern. Wer sich nun also weigert, sich dem Gefühl der Leere und einer möglicherweise jahrelangen Wartezeit aussetzen zu müssen, dem seien diese kleinen Verkostungen in Legends of Runeterra, in welchen die Figuren aus der Serie im Mittelpunkt stehen, nahe gelegt.

Das Spiel ködert die frustrierten Seelen, die sich nach einer raschen emotionalen Erleichterung oder Entlastung sehnen. Diese kann man hier zwar auch erhalten, doch nach Abschluss der unbeschwerten Kampagne, wenn man beginnt sich fälschlicherweise für fähig zu halten, und sich dem kompetitiven Mehrspielermodus widmet, kehrt man schnell wieder zum Erhalt von Barrieren und Konflikten zurück. Dort kann man sich nach Herzenslust, der Gier des Aufsteigens und der Frustration und Wut des Nichterreichens der eigenen Ziele, hingeben. Obacht also. Fragile Seelen könnten auch hier schnell wieder in die Abgründigkeit der Leere verfallen.

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